Desertiert für die Befreiung 7. Mai 2017

„Jahrzehntelang wurden wir als Verräter beschimpft, weil wir aus der Wehrmacht desertiert sind,“ erklärte der ehemalige Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani (94) am Samstag, 6. Mai 2017, bei der Gedenkfeier am Denkmal für die NS-Opfer in Greifenburg. „Doch wir wollten damit einen Beitrag zur Befreiung Österreichs leisten. Denn die Wehrmacht war nicht unsere Armee, sondern die Armee Nazi-Deutschlands.“

Wadani schilderte eindrücklich, wie er an der französischen Front zu den Alliierten übergelaufen war und bis Kriegsende in der britischen Armee gedient hatte. Erst kürzlich wurde Wadani für sein Engagement um die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure mit dem Demokratiepreis des Parlaments ausgezeichnet.

Viele der Deserteure überlebten ihre Verfolgung durch die NS-Behörden jedoch nicht. In einer szenischen Lesung brachten Schülerinnen der HLW Spittal (Iljana Babic, Sabrina Prussnig, Annika Arztmann) den etwa 70 BesucherInnen das Schicksal der Deserteure Robert Schollas und Stefan Hassler nahe, die beide im Oberen Drautal 1944 erschossen worden sind. Es sei eine fatale Beschönigung, wenn immer noch vom heldenhaften Tod der Wehrmachtssoldaten für die Heimat gesprochen wird, so Peter Pirker, Obmann des Vereines aegide, der zur Gedenkfeier geladen hatte.

Der Berger Bildhauer Hans-Peter Profunser (auf dem Foto mit Linde Wadani), der das Denkmal in der Nähe des Bahnhofs in Greifenburg 2012 geschaffen hat, stellte eine Serie von Kunstdrucken zum Thema Widerstand und Verfolgung vor. Der Künstler zog Parallelen zur Gegenwart: Nach wie vor seien Kriegsflüchtlinge mit Internierung und Abwehr konfrontiert. Die Kunstdrucke sind in einer limitierten Auflage gegen eine Spende, die in die Erhaltung des Denkmals fließt, beim Künstler oder dem Verein aegide erhältlich.

Neben Zeitzeugen und Angehörigen von NS-Opfern nahmen Ferdinand Hueter (r.), Bürgermeister in Berg, und Nationalratsabgeordneter Matthias Köchl (l.) an der Feier teil.

Fotos: Rudolf Profunser

Bericht der Kleinen Zeitung