Valentin Polanšek: Widerstand erlesen 19. September 2026

Wer leistete dem Nationalsozialismus Widerstand? Wie lebten Menschen im Widerstand? Wie lässt sich heute davon erzählen – und was bleibt? Darüber spricht der Schriftsteller Alois Hotschnig (zur Rede)am 19. September bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus in Greifenburg. Hotschnig tritt dabei in einen Dialog mit dem Werk des kärntner-slowenischen Autors Valentin Polanšek. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jahres der Literatur Kärnten / Leto literature Koroška statt. Das Literatura mobil ist mit einer Pop-up-Bibliothek vor Ort.


Valentin Polanšek, 1928 in Leppen bei Eisenkappel geboren, überlebte – anders als der Großteil seiner Familie – den Nationalsozialismus. Bis zu seinem frühen Tod wirkte er als Lehrer, Schriftsteller, Komponist, Chorleiter und Gemeinderat. 1981 veröffentlichte er in slowenischer Sprache einen Roman über seine Nachbarn, die Brüder Domen und Matevž, die sich den Partisanen angeschlossen hatten. Mehr als vier Jahrzehnte später liegt „Schicksalsherbst der Brüder“ nun in der deutschen Übersetzung von Metka Wakounig vor.


Alois Hotschnig, aufgewachsen in Berg im Drautal, erzählt in seinem Werk – insbesondere in „Ludwigs Zimmer“ und „Der Silberfuchs meiner Mutter“ – präzise und berührend von Menschen, die sich auf die Spurensuche ihrer Existenz begeben und dabei auf Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus stoßen, die sich nicht länger verdrängen lassen. Für „Widerstand erlesen“ hat sich Hotschnig intensiv mit dem Werk Valentin Polanšeks auseinandergesetzt.


Zu Beginn stellt die Übersetzerin Metka Wakounig das Leben und Schaffen von Valentin Polanšek vor. Begleitet von Luka Dobnikar am Bass singt Anja Smolnik slowenische Volkslieder, die Polanšek in seinem Roman überliefert hat.

     

 

Erweiterung des Denkmals: Johann Tiefnig 27. September 2025

     

Wohin des Weges? 21. September 2024

   

Seid stark und mutig 14. Mai 2023

Vor 100 Jahren kam er zur Welt, 1944 starb er im Alter von 21 Jahren unter dem Fallbeil der Nazi-Justiz: Der Deserteur und Widerstandskämpfer Erich Ranacher aus Lienz stand am Samstag, 13. Mai 2023, in Greifenburg im Mittelpunkt der Befreiungs- und Gedenkfeier des Vereines aegide. Ranacher gehörte zu einer Gruppe von Widerstandskämpfern, die im Herbst 1944 in der Umgebung von Villach gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten auftraten. Sie wurden dabei von Frauen wie Maria Peskoller aus Dölsach unterstützt. Mitte November 1944 gelang es der Gestapo die Gruppe zu zerschlagen. Ihre Mitglieder wurden in Klagenfurt zum Tode verurteilt und in Graz hingerichtet.

Unter den zahlreichen BesucherInnen der Befreiungsfeier befanden sich Michael Ranacher, der Neffe von Erich, und die Tochter von Maria Peskoller, Helga Emperger (94), die als 16-jähriges Mädchen ebenfalls von der Gestapo verhaftet worden war.

Die Schüler der HLW Spittal/Drau Julia Bliem, Natalie Höfferer und Fabio Kampfer schilderten die Geschichte der Widerstandskämpfer in einer Szenischen Lesung und trugen die Abschiedsbriefe von Erich Ranacher, die er am Tag der Hinrichtung verfasst hatte, vor. Darin sprach er seinen Geschwistern zu, stark und mutig zu sein.

Darauf nahm Peter Pirker vom Verein aegide in seiner Einleitung Bezug: In den gegenwärtigen gesellschaftlichen Krisen gehe es darum, Freiheit, Gleichheit und Wohlfahrtstaatlichkeit zu bewahren, anstatt Ausgrenzung und Abwertung „anderer“ zu betreiben. Gerade dafür brauche es Stärke und Mut.

Eine beeindruckende Rede hielt der in Spittal aufgewachsene Schriftsteller Antonio Fian.

Er sprach über das lange Schweigen zur NS-Gewalt in Gesellschaft und Politik. Dabei zeigte er, wie Kärntner Autorinnen und Autoren, etwa Ingeborg Bachmann und Werner Kofler, autoritäre Strukturen in der Nachkriegsgesellschaft aufdeckten und das Schweigen über die NS-Zeit auf literarische Weise durchbrachen. Fian wandte sich gegen „den Furor des Verbietenwollens“ von verstörenden Ausdrücken und Begriffen in der Literatur, „damit wir nicht in Gefahr geraten, auf paradoxe Weise in eine neue Ära des Verstummens zu schlittern.“

Die Begrüßung der etwa 100 TeilnehmerInnen nahm der Vize-Bürgermeister von Greifenburg Michael Baurecht vor.


Primus Sitter spielte zwischen den Redebeiträgen vielschichtige Musikstücke an der elektrischen Gitarre.

Gedenk- und Befreiungsfeier 2023 13. Mai 2023

Am 14. November 1944 nahm der Gendarmeriemeister Georg Kampitsch in Steinfeld drei „verdächtige“ Personen fest und lieferte sie der Gestapo aus. Es handelte sich um die Deserteure und Partisanen Erich Ranacher aus Lienz, Heinrich Brunner aus Villach und Josef Ribitsch aus Ferlach/Borovlje. Sechs Wochen später verurteilte der Präsident des Volksgerichtshofes Roland Freisler sie und ihre Unterstützer:innen Margarete Jessernig, Rosa Eberhard, Maria Peskoller, Valentin Clementin und Milan Jelić in Klagenfurt zum Tode. Die Hinrichtungen vollstreckte die Nazi-Justiz am 23. Dezember 1944 in Graz.

 

„Denkt ewig an mich… Ich rufe euch eine glückliche Zukunft zu,“ schrieb Erich Ranacher in einem Abschiedsbrief an seine Familie. Worin besteht das Glück der Zukunft?

Samstag, 13. Mai 2023, 17.15 Uhr, Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal, Greifenburg.

Szenische Lesung von Schülerinnen der HLW Spittal/Drau.

Rede: Antonio Fian (Schriftsteller)

Gitarre: Primus Sitter