Erweiterung des Denkmals um Marinus Oosterom 26. Juli 2020

Der Verein aegide hat am Samstag, 25. Juli 2020, das Denkmal für die NS-Opfer im Oberen Drautal um Marinus Oosterom erweitert. An der Veranstaltung nahmen Angehörige aus den Niederlanden und der Historiker Arie Jan Meijer mit seiner Familie teil.

Der 22-järige Arbeiter Marinus Oosterom war im Februar 1943 aus seinem Heimatdorf Ouderkerk aan den IJssel zur Zwangsarbeit nach Berlin und dann nach Greifenburg verschleppt worden. In Greifenburg produzierte die Berliner Firma Thermo Technik zwischen 1943 und 1945 wärmetechnische Messgeräte für U-Boote. Die Betriebsanlagen waren mangehaft installiert. Im Juni 1944 erlitt Marinus Oosterom einen tödliche Stromschlag. Er wurde zwar in Greifenburg beerdigt, sein Grab wurde jedoch bald nach Kriegsende aufgelöst.

Im Dezember 2019 wandte sich der Historiker Arie Jan Meijer mit der Bitte um weitere Informationen zur Rüstungsproduktion und das (aufgelassene) Grab an den Verein aegide. In Rücksprache mit Angehörigen von Marinus Oosterom wurde beschlossen, seinen Namen in das Denkmal für die NS-Opfer im Oberen Drautal zu integrieren. Dies sollte gemeinsam mit Verwandten aus den Niederlanden bei der Befreiungsfeier am 18. Mai erfolgen. Wegen der Covid-Pandemie musste die Veranstaltung abgesagt werden.

    

Während eines Urlaubs von Angehörigen von Marinus Oosterom in Oberkärnten und des Historikers Arie Jan Meijer in der Steiermark wurde die Erweiterung des Denkmals nun im kleinen Rahmen vorgenommen. Bürgermeister Josef Brandner begrüßte die Familieangehörigen sowie Arie Meijer und seine Familie. Auf Wunsch der Angehörigen sprach außerdem der evangelische Pfarrer Peter Drost. Hans-Peter Profunser brachte gemeinsam mit der Cousine von Marinus Oosterom, Gerrie Middelkoop-Oosterom und seinem Neffen Piet Blonk die Gedenktafel an.

Österreichische und Kärntner Verantwortung

Die neutrale Niederlande wurde im Mai 1940 von NS-Deutschland angegriffen und besetzt. Für die Besatzungsherrschaft, Unterdrückung des Widerstands, Einführung der Zwangsarbeit, die Deportation der Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager und die Verschickung von Zwangsarbeiter nach Deutschland waren an zentraler Stelle Österreicher verantwortlich: An oberster Stelle Arthur Seyss-Inquart, der von Hitler zum Reichskommissar für die Niederlande ernannt wurde.

Die praktische Durchführung dieser massenhaften Gewalt gegen die niederländische Zivilbevölkerung oblag dem Höheren SS- und Polizeiführer in den Niederlanden, Hanns Albin Rauter. Es gibt viele Antworten auf die Frage, warum wir uns mit der NS-Gewalt in den Niederlanden beschäftigen sollten. Eine ist relativ einfach: Sie entsprang der hiesigen Gesellschaft. Hans Albin Rauter stammte aus Kärnten, aus Klagenfurt, und wurde hier politisch sozialisiert, im radikalen Deutschnationalismus vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Rauter war ein so genannte Abwehrkämpfer und ein früher Aktivist der Kärntner NSDAP.

Einer der 300.000 Zwangsarbeiter, die Rauter nach Deutschland schicken ließ, war Marinus Oosterom aus Ouderkerk aan der Ijssel.

Marinus Oosterom schrieb von Greifenburg aus zahlreiche Briefe an seine Verlobte und seine Familie in Holland. Die Briefe sind eine wertvolle Quelle zur Erforschung der Situation der ZwangsarbeiterInnen in der NS-Zeit. Zwei Schülerinnen der HLW Spittal, Sabrina Wabnig und Kerstin Pittino, beschäftigen sich nun im Rahmen ihrer Diplomarbeit mit dem Schicksal von Marinus Oosterom und der Geschichte der ZwangsarbeiterInnen im Oberen Drautal. Dafür interviewten sie in Greifenburg den Historiker Arie Jan Meijer.

Livestream und Medienberichte in den Niederlanden

Die Veranstaltung wurde per Livestream nach Ouderkerk aan den IJssel übertragen, wo etwa 50 Personen die Anbringung der Gedenktafel verfolgten. In den Niederlanden berichteten mehrere Medien über die Veranstaltung. Es erschienen Berichte in den Tageszeitungen Reformatorisch Dagblad, HetKontakt und auf der Webseitde des regionalen TV- und Radiosenders RTV Krimpenerwaard. Die Veranstaltung kann hier nachgesehen werden. Auch die Kleine Zeitung und der Oberkärntner Volltreffer berichteten.