Auf dem Denkmal für die Verfolgten des NS-Regimes im Oberen Drautal wird zahlreichen Deserteuren der Wehrmacht und Kriegsdienstverweigerern gedacht, die im Oberen Drautal von Landwachtmännern und Wehrmachtssoldaten erschossen oder von Gendarmen festgenommen worden waren und später von der NS-Militärjustiz hingerichtet wurden. Es war eines der Denkmäler in Österreich, das explizit Wehrmachtsdeserteuren gewidmet wurde.
Seit 2009 sind die Wehrmachtsdeserteure in Österreich gesetzlich rehabilitiert - ihre Handlung wurde endlich und unmissverständlich als ein Beitrag zur Befreiung vom Nationalsozialismus gewürdigt. Ganz wesentlich ging dieser Akt später Gerechtigkeit auf das langjährige Engagement von Richard und Linde Wadani zurück.

Foto: Christian Michelides - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0.
Richard Wadani (geb. 1922) rückte 1939 zur Wehrmacht ein und verbrachte die Jahre 1941 bis 1944 als Besatzungssoldat in der Sowjetunion. Als Gegner des Nationalsozialismus unterstützte er lokale Partisanen, Versuche zu desertieren scheiterten aber. Im Oktober 1944 gelang ihm die Desertion an der Westfront. Er lief zu den Amerikanern über. Nach dem Krieg war Wadani für die KPÖ tätig. Er arbeitete als Sportlehrer und war Trainer der österreichischen Volleyballnationalmannschaft. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des »Prager Frühlings« 1968 verließ er die KPÖ.
Seit 20 Jahren setzt sich Richard Wadani gemeinsam mit seiner Frau Linde und dem Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz für die Verfolgten der NS-Militärjustiz ein.
Sein Einsatz wurde von Gesellschaft und Politik spät aber doch gewürdigt. 2007 erhielt er das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs, 2016 erhielt er gemeinsam mit seiner Frau Linde den Menschenrechtspreis der Österreichischen Liga für Menschenrechte, 2017 gemeinsam mit dem Personenkomitee den Demokratiepreis des österreichischen Parlamentes.
Richard Wadanis Engagement als einer der letzten Zeitzeugen und lebenden Wehrmachtsdeserteure wird auch international gewürdigt. So widmete ihm im Mait 2016 die Süddeutsche Zeitung einen ausführlichen Artikel (Auf der richtigen Seite im falschen Land).
Ein ausführliches Interview mit Richard Wadani ("Entscheidend ist, wofür man kämpft") ist in der ORF-Videothek abrufbar.
Mehr Informationen zur Wehrmachtsjustiz und Deserteuren hier.
2015 erschien die lesenswerte Biographie "Da habe ich gesprochen als Deserteur" über Richard Wadani, verfasst von der Historikerin Lisa Rettl und dem Historiker Magus Koch im Milena Verlag.