Vor 100 Jahren kam er zur Welt, 1944 starb er im Alter von 21 Jahren unter dem Fallbeil der Nazi-Justiz: Der Deserteur und Widerstandskämpfer Erich Ranacher aus Lienz stand am Samstag, 13. Mai 2023, in Greifenburg im Mittelpunkt der Befreiungs- und Gedenkfeier des Vereines aegide. Ranacher gehörte zu einer Gruppe von Widerstandskämpfern, die im Herbst 1944 in der Umgebung von Villach gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten auftraten. Sie wurden dabei von Frauen wie Maria Peskoller aus Dölsach unterstützt. Mitte November 1944 gelang es der Gestapo die Gruppe zu zerschlagen. Ihre Mitglieder wurden in Klagenfurt zum Tode verurteilt und in Graz hingerichtet.
Unter den zahlreichen BesucherInnen der Befreiungsfeier befanden sich Michael Ranacher, der Neffe von Erich, und die Tochter von Maria Peskoller, Helga Emperger (94), die als 16-jähriges Mädchen ebenfalls von der Gestapo verhaftet worden war.

Die Schüler der HLW Spittal/Drau Julia Bliem, Natalie Höfferer und Fabio Kampfer schilderten die Geschichte der Widerstandskämpfer in einer Szenischen Lesung und trugen die Abschiedsbriefe von Erich Ranacher, die er am Tag der Hinrichtung verfasst hatte, vor. Darin sprach er seinen Geschwistern zu, stark und mutig zu sein.

Darauf nahm Peter Pirker vom Verein aegide in seiner Einleitung Bezug: In den gegenwärtigen gesellschaftlichen Krisen gehe es darum, Freiheit, Gleichheit und Wohlfahrtstaatlichkeit zu bewahren, anstatt Ausgrenzung und Abwertung „anderer“ zu betreiben. Gerade dafür brauche es Stärke und Mut.
Eine beeindruckende Rede hielt der in Spittal aufgewachsene Schriftsteller Antonio Fian.

Er sprach über das lange Schweigen zur NS-Gewalt in Gesellschaft und Politik. Dabei zeigte er, wie Kärntner Autorinnen und Autoren, etwa Ingeborg Bachmann und Werner Kofler, autoritäre Strukturen in der Nachkriegsgesellschaft aufdeckten und das Schweigen über die NS-Zeit auf literarische Weise durchbrachen. Fian wandte sich gegen „den Furor des Verbietenwollens“ von verstörenden Ausdrücken und Begriffen in der Literatur, „damit wir nicht in Gefahr geraten, auf paradoxe Weise in eine neue Ära des Verstummens zu schlittern.“
Die Begrüßung der etwa 100 TeilnehmerInnen nahm der Vize-Bürgermeister von Greifenburg Michael Baurecht vor.
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Primus Sitter spielte zwischen den Redebeiträgen vielschichtige Musikstücke an der elektrischen Gitarre.
